Interview mit Heike Rosemann, Ehemalige Jugendleiterin SC Sternschanze, 10. September 2009



Heike, Du warst jetzt die letzten Monate krank. Vielleicht kannst du sagen, was passiert ist?
Ich habe Brustkrebs, das ist an Weihnachten festgestellt und Februar ist es bestätigt worden. Ich bin seit Februar in Behandlung, erst mit einer Chemotherapie und jetzt im August bin ich operiert worden. Und im September steht dann eine fünfwöchige Bestrahlungszeit an. Und dann hoffe ich, dass ich das soweit überstanden habe.

Und wie geht es Dir heute?
Mir geht es gut. Die Ärzte gehen davon aus, dass meine Überlebenschance relativ groß ist. Sie gehen wohl von 85 bis 90 Prozent aus, dass kein Rückfall auftritt.

Wir drücken Dir auf jeden Fall die Daumen, dass Du in Zukunft gesund bleibst.
Ja, danke.

Dann kommen wir zum SC Sternschanze. Im September wird eine neue Jugendleitung gewählt und du hast schon angekündigt, dass du als Jugendleiterin aufhören wirst. Wie lange warst du jetzt eigentlich Jugendleiterin beim SC Sternschanze?
Ich bin jetzt 11 Jahre Jugendleiterin. Wir haben damals einen Sportverein für unsere Söhne gesucht. Uns wollte eigentlich keiner aufnehmen und wir wollten auch nicht überall hin. Ein Nachbar erzählte uns dann, er hätte Interesse Trainer zu werden und er würde mal beim SC Sternschanze fragen, ob die Kinder aufnehmen. Und so sind wir dann beim SC Sternschanze gelandet. Und als der alte Vorstand gefragt hat, wer sich darum kümmert, habe ich nicht schnell genug weg geguckt und wurde so zur Jugendleiterin.

Ihr habt dann mit einer Mannschaft angefangen?\Ja, das war der Jahrgang 1991/92. Wir haben im September 1998 angefangen. Und dann sind wir im Frühjahr mit einem zweiten Team im Jahrgang 1992 gestartet und hatten dann auch schon vier Trainer.

Wie viele Kinder haben wir jetzt im Verein, die Fußball spielen?
Das sind ungefähr 450. Zusammen mit den Mädchenteams haben wir damit jetzt 27 Teams.

Jetzt hast du dich ja entschlossen aufzuhören als Jugendleiterin, warum?
Ich finde, 11 Jahre sind genug und außerdem habe ich auch festgestellt, dass so eine Ermüdungserscheinung bei mir eingetreten ist und ich auf bestimmte Sachen keine Lust mehr habe - also nicht mit den Kindern jetzt, sondern in der Arbeit mit den Eltern und den Trainern. Außerdem finde ich, irgendwann ist man auch zu alt für eine Jugendleiterin, das muss das ein bisschen jünger werden.

Gibt es denn schon Kandidaten für die Nachfolge von Dir und von Christiane, die ja auch in der Jugendleitung aufhören wird?
Ja, es gibt einige Kandidaten. Amal und Kuschel haben sich bereit erklärt, weiter zu machen und in der Jugendabteilung im Trainer- und Betreuerstamm sind auch noch einige, die sich bereit erklärt haben. Es wird wichtig sein, dass die einzelnen Aufgaben besser aufgeteilt sind als bisher.

Was sind zurzeit die größten Herausforderungen für die Jugendleitung?
Die Erarbeitung des sportlichen Konzeptes ist eine ganz große Herausforderung. Hier geht es darum, welche Ausrichtung wir im Trainingsbetrieb zukünftig haben werden. Zum Beispiel, sollen wir bestimmte Fachtrainer, zum Beispiel für Taktik oder Torwarte, ausbilden? Das andere ist, wie schaffen wir Übergänge, diese Brüche zwischen E und D-Jugend? Und eine andere Frage ist: ist es klug, wenn Trainer von der G-Jugend bis zur A-Jugend ihre Jugendmannschaften begleiten oder macht es Sinn, irgendwann die Trainer zu wechseln? In jedem Fall dürfen die Kinder dabei nicht auf der Strecke bleiben. Damit mit meine ich zum Beispiel auch, wie geht man mit schwierigen Jugendlichen um? Natürlich versucht man, sie zu integrieren und wenn nötig müssen wir gucken, dass wir uns Hilfe holen. Bei uns sollen alle Kinder die Möglichkeit haben, Fußball zu spielen. Es soll nicht so eine Eliteauswahl stattfinden, dass nur bestimmte Kinder, die Fußball spielen können. Aber bei den Großen zu Beispiel, wenn der Übergang zum Herrenbereich oder zum Frauenbereich kommt, wird dann nach Leistung ausgewählt. Und das verstehen B und A-Jugendliche auch.

Wir erleben das ja in letzter Zeit häufiger, dass talentierte Spieler unseren Verein verlassen und zu anderen Vereinen wechseln. Was denkst Du darüber?
An wirklich talentierten Spielern haben wir bisher nur 3 Spieler verloren. In 11 Jahren. finde ich das nicht viel. Letztlich müssen wir sehen, ob wir die Jugendlichen weiterentwickeln können. Und wenn wir das nicht mehr, dann haben wir die Verpflichtung, sie an die Hand zu nehmen und bei Vereinen vorzustellen, die die Jugendlichen weiter bringen können.

Hälst Du es für realistisch, dass wir es schaffen werden, mit einem Team in die Landesliga aufzusteigen?
Ja, wir haben jetzt ein im Jahrgang 19989 ein Team, dass eine super geschlossene Leistung hat. Das Problem ist, wir müssen dieses Team jetzt aufstocken. Das heißt, wir müssen Jugendliche finden, die von der Stärke da hinein passen. Die A-Jugend hat sich ja auch als Ziel genommen, dass sie in zwei Jahren den Aufstieg machen will, als Vorbereitung für die B-Jugend. Da müssen sie sich halt an ihren Worten messen lassen.

Können wir es als Verein denn leisten, ein Team in einer höheren Spielklasse zu melden und entsprechend zu unterstützen?
Also ich denke erst mal müssen wir klären, ob die Kinder und Jugendlichen mit den Aufgaben und dem Schulsystem überhaupt zurzeit in der Lage sind, auch ein bestimmtes Leistungspensum gewähren. Das ist die eine Sache. Und dann hängt es natürlich auch von den Kapazitäten der Trainer und Betreuer ab. Und schließlich müssen wir auch im Herren und Frauenbereich etwas anbieten, was für Jugendliche als Perspektive interessant ist.

Wir haben ja jetzt mit Ibo und Louis und Paul drei Jungs aus dem Jahrgang 1996, die selbst als Jugendtrainer im Jahrgang 2004 angefangen haben. Wie machen sich die drei bisher?
Die machen sich ganz toll- Wir sind ganz begeistert. Wir haben überwiegend positive Rückmeldung. Sie sind total zuverlässig, das klappt ganz hervorragend und sind ein ganz tolles Team. Sie sprechen sich auch immer ab, wenn einer nicht kann, sodass die Kinder auch immer betreut sind. Nächstes Jahr kommen sie in die Trainerausbildung, dann sind sie 14, dann darf ich sie melden. Dann machen sie den Kindertrainerlehrgang und später dann auch den Basislehrgang.

Heike, in welcher Funktion werden wir Dich in Zukunft beim SC Sternschanze sehen?
Ich werde mich bereit erklären, für den Vorstand zu kandidieren. Also wenn ich jetzt ausscheide im September, dann werde ich den Vorstand zu unterstützen und Aufgaben übernehmen, die ich bisher auch schon gemacht habe, also zum Beispiel den Etat und die Buchhaltung und ein bisschen Schriftführung. Außerdem werde ich auch der Jugendabteilung als Trainerin im Jahrgang 2001 erhalten bleiben. Und dann werde ich vielleicht auch noch einmal eine neue ganz lütte Gruppe übernehmen.

Das heißt, Du gehst uns nicht verloren.
Nein, ich gehe euch nicht verloren. Aber ich möchte eben aus dem Vordergrund raus.

Ja Heike, dann danke ich Dir auch für das Gespräch und wünsche Dir alles Gute.
Ich muss einfach mal sagen, dass die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen unwahrscheinlich viel Freude bringt und eine große Motivation ist und ein ganz großer Spaß. Mir geht da so das Herz auf, wenn ich mit Kindern arbeiten kann. Das hat mit total viel Spaß gemacht.

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